Sonntag, 4. Mai 2008

weibliche pornographie

unlängst hatte ich eine kleine diskussion, weibliche pornographie betreffend. als beispiel für einen weiblichen porno führte ich dirty dancing an. diese idee stammt zwar nicht von mir - sondern einer frau - findet aber grossen gefallen bei mir. und das aus vielerlei gründen.
da ist zunächst mal die seichte handlung, welche zwar pornos für männer um längen übertrifft, aber dennoch nicht wirklich oscar verdächtig ist.
bei männlichen männlichen pronos findet immer eine art ersatzhandlung statt, wo man(n) im geiste sex mit allerlei frauen hat und gleichzeitig ein verbotenener beigeschmack vorhanden ist. bei dirty dancing verhält es sich ähnlich: die ersatzhandlung ist die "verbotene" liebesgeschichte mit sexueller konnotation: dirty dancing eben. wobei die angedeutete sexualität einen zentralen unterschied zu männlicher pornographie ausmacht: es wird nicht vollzogen, sondern frau bekommt futter für die vorstellung sexueller handlungen.
eine weitere komponente stellt die verwandlung der hauptperson dar: bei männlichen pornos wird oft auf die verwandlung einer unschuldigen/unerfahrenen person zurückgegriffen, die sich im laufe der "geschichte" durch allerlei abenteuer zum "richtigen" mann entwickelt. auch hier gibt es eine bemerkenswerte parallele zu dirty dancing: "baby" wird im verlauf des filmes zur "frau", was sich nicht zuletzt an der kleidung widerspiegelt: vom braven kleid hin zum körperbetonten, bauchfreien top.
aber es gibt einen fundamentalen unterschied von dirty dancing zu männlicher pornographie: das ende. bei dirty dancing trägt der prinz ("my baby belongs to me") die prinzessin aus dem film in die gemeinsame zukunft. männliche pronos haben in diesem sinne kein happy ending, sondern enden "einfach" ohne umschweife.

nönö (Gast) - 4. Mai, 14:51

ich glaube, du hast da etwas falsch verstanden: von gemeinsamer zukunft kann in DD nicht die rede sein. er schleppt sie nach dem öffentlichen vorspiel ab, der einzige unterschied zu den vorherigen sexuellen kontakten der beiden: diesmal mit wissen der eltern. sie haben spaß. familie h reist am nächsten tag ab. b geht aufs college. und dort wird sie sich einen anderen, vermutlich better on the paper typen für die ehe aussuchen. der weibliche porno beruht auf sex mit einem nicht angebrachten typen, den du niemals heiraten würdest, aber wohl die kleider vom leib reißen...

herrtrema - 5. Mai, 17:55

hm, sehe ich nicht so. du denkst da zwei schritte weiter, als es im film beabsichtigt ist: nach dem abschlussgetanze wird ja dem klischee des "and they lived happily ever after." gefolgt. konkrete dinge, wie von dir angesprochen (college, etc.), werden überhaupt nicht thematisiert. das bleibt dann wohl eher europäischen produkten aus frankreich überlassen ;-)...
was sex mit nichtangebrachten typen angeht: es erscheint mir ein wenig zu kurz gegriffen, das allein als weibliche pornographie zu sehen. wenn es so wäre, könnte das männliche porno prinzip 1:1 übernommen werden: platter sex mit einer partnerin, mit man(n) nie im leben sex haben würde (aus welchen gründen auch immer). und sowas könnte man recht einfach in filme verwandeln - und das wurde bereits mit wenig erfolg probiert.
nönö (Gast) - 5. Mai, 20:22

also wo bitte siehst du happily ever after? sie tanzen... aus. und das wird im film sehr wohl angesprochen: sie geht nach dem sommer aufs college, der sommer ist aus (das war die abschlussveranstaltung), er hat zugesagt, in der maurer-was-weiß-ich gewerkschaft mitzumachen... solche filme enden immer am romantischten punkt (wie alle liebeskomödien aus hollywood), aber nichts, nichts sagt in dem ganzen film, dass da irgend etwas nachfolgt. diese phantasien werden dem blauäugigen zuseher offen gelassen, sind aber nicht im film angelegt... das sagt uns allerhöchstens etwas über deine augenfarbe, die du vielleicht auf blau umändern solltest :-). und ja, werter herr trema, sex mit unangebrachten typen ist auch für frauen sehr anregend, nur dass halt die vorstellungen von unpassend nicht 1:1 umsetzbar sind, das sicher nicht. und das alleine macht ja auch nicht die pronographie, aber es ist ein bestandteil vom narrativen schema... lass dir das mal getrost von einer frau gesagt sein :-) und wenn du mir es nicht glaubst, die filme und serien und das leben sind voll davon: der zu junge mann, der gesellschaftlich unter dir stehende mann (siehe dd), der nicht so fesche mann (siehe satc: harry... wird eingefüht als ugly sex)..., der verbotene mann (chef, fremder ehemann)... aber genau da ist auch schon der unterschied zum männlichen porno, wo es eben gar keinen plot, sondern nur busen und b**** gibt. frauen brauchen, denke ich, eine geschichte, einen film, der im kopf abgeht. der sex alleine tuts eben nicht. als geschichte, versteht sich. dass wir für sex nicht unbedingt einen ring, keine großen gefühle, blablabla brauchen, diese klischees sind wir hoffentlich mittlerweile los. aber ein narratives vorspiel. das schon. beste grüße, die narratologin.
herrtrema - 6. Mai, 09:48

das "happily ever after" wird meiner meinung nach durch "my baby belongs to me." suggeriert. da steht herr swazye seinen mann und durchbricht die soziale barriere (verkörpert durch den vater). genau das macht ihn ja für eine gemeinsame zukunft erst tauglich.
was handlungen angeht, so hat einmal umberto eco in einem seiner für den espresso erschienenen streichholzbriefchen einen porno so definiert:...er (amn. der zuschauer) würde es gar nicht aushalten, anderthalb stunden lang unerhörte szenen (anm. autofahrten, busfahrten, dialoge, etc. - also eine "handlung", eine "tote zeit" im porno) zu sehen. darum sind tote zeiten unverzichtbar... wenn die protagonisten des films länger brauchen, um sich von a nach b zu begeben, als man es sehen möchte, dann handelt es sich um einen pornofilm.
nönö (Gast) - 6. Mai, 14:03

meiner meinung nach verwechselst du klassisches männliches beute-besitzdenken mit heiratsambitionen... das machen doch eigentlich sonst nur frauen... was ist los? sind das die weiblichen-pille-abfall-hormone im trinkwasser? eco läuchtet mir hier überhaupt nicht ein. ich dachte die tote zeit würde im porno extra kurz gehalten? oder bin ich zu doof?
herrtrema - 6. Mai, 17:21

was tote zeit (nach eco) im porno angeht, ist genau das der springende punkt: es wird nicht permanent begattet, das hielte niemand aus. deswegen gibt es sowas wie "handlung", die zumeinst aus auto-, bus- oder sonstigen fahrten besteht. und eben diese tote zeit wird im porno als zu lang empfunden, was einen film als porno klassifiziert.

hach! da kehre ich meine weibliche seite heraus und was ist? jetzt bin ich nicht mehr männlich genug und habe plötzlich heiratsambitionen... hätte ich mir nicht gedacht.
nönö (Gast) - 4. Mai, 15:10

ps

und... die szene, an die ich dachte, als ich dir vor einigen jahren meine gedanken zum weiblichen prono dargetlegt habe, wäre eher diese hier:

wohlgemerkt: sie verführt. sie ist aktiv. die vermeintliche jungfer... wenn an dem film sicher gender-mäßig einiges zu bekritteln wäre, so sind hier die klassischen geschlechtervorstellungen umgedreht.

herrtrema - 5. Mai, 17:56

ja, danke! in meiner unterkunft musste ich leider aus technischen gründen auf der erste video zurückgreifen, dass ich finden konnte. das ist schon viel besser :-).
herrtrema - 5. Mai, 19:24

noch eine kleiner nachsatz zu pornographie: unter http://www.jungsheft.de/ findet frau ein "pornoheft" von frauen für frauen.

herr trema

sucht das glück

Herr Trema

Lebt temporär in NIzza und macht dort eine Art Sabbatical. Schreibt ansonsten an seiner Dissertation und versucht zu Wissenschafter zu werden (ist ja noch nie einer vom Himmel gefallen). Treibt in seiner Freizeit recht viel Sport (Taekwondo, Laufen, Surfen, Schwimmen) und liest auch noch gerne Bücher. Theater- und Kinobesuche sind ebenso eine willkommene Freizeitbeschäftigung. Möchte auf die Frage: "Wann bist Du denn mit deiner Diss fertig?" mit "Gestern" antworten.

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