freundlich sind sie hier in nizza. und sehr hilfsbereit. allerdings leider manchmal ein wenig falsch informiert. das hat dann zur folge, dass man zur falschen fakultät geschickt wird, dort eine stunde wartet und wieder woanders hin geschickt wird. aber irgendwann klappt es dann einfach - so nach zwei/drei/vier stunden.
die sache mit der zeit ist überhaupt interessant: man entdeckt sowas wie eine allgemeine langsamkeit. aber das macht nichts. es ist einem trotzdem nicht langweilig. ganz im gegenteil: man kommt auf einmal zu dingen, die vorher - aus zeitmangel - nicht möglich waren und arbeitet dennoch normal weiter. faszinierend...
obiger titel stammt aus "L'auberge espagnole". nicht dass ich ein verklemmter franzöischer student in barcelona bin (hoffe ich zumindest), aber ich schätze es gibt wohl die universellen erlebenisse aller austausch-studenten. anfangs sind es die troubles mit der bürokratie (wohin?!?! da war ich gerade, und die hat mich her geschickt...), dann mit den kursen (wo finde ich was) und am ende wohl die mit den prüfungen (ohgott... wie kann ich eine mündliche prüfung auf französisch ablegen?). und dann bei vielen heimweh... freund/freundin zu hause, skype funktioniert nicht gut usw.
yep, solche dinge einen. man geht offener auf andere zu - die ja alle genau so planlos wie einer selber sind und dann ist man plötzlich gar nicht mehr allein. ganz im gegenteil: auf einmal hat man binnen kürzester zeit eine veritable liste an kontakten und unternimmt regelmässig etwas. schön. und weil wir gerade bei schönen dingen sind:
es ist also freitag abend. was macht man/frau in nizza? man geht aus. eh klar. nachdem die - äh - wohnung doch etwas weiter von stadtzentrum entfernt ist, muss man auf die öffentlichen zurückgreifen. und da gibt es bereits die erste überraschung: der letzte bus in die stadt fährt um 21:30 (sic!). und retour per nightline: letzter bus um 1:10...
noja, da macht das fortgehen richtig spass: entweder früh anfangen oder früh (morgens) aufhören... wer die wahl hat, hat die qual.
im teamsport ist alles klar geregelt: heimmannschaft/auswärtsmannschaft. sektor für die fans der auswärtsmannschaft u.s.w. alles schön säuberlich geordnet. man kennt sich aus.
im französischen uni-system, und da speziell in der administration ist alles anders. da geben sich die damen und herren allergrößte mühe, jedem einzelnen spezielle aufgaben zu stellen. einfaches beispiel: bestätigung der uni, dass man aufgenommen ist. im informatischen sinne, eine binäre sache: ein brief mit ja/nein per post. nicht so hier. eine blitzumfrage ergab folgendes bild: 60% erhielten diese info per email, 10% per post, 20% per post und email und 10% gar nicht... und so schnell werden aus zwei möglichkeiten vier.
und dann nehme man dieses beispiel und kombiniere es mit ca. zehn anderen administrativen aufgaben und voilà man kommt auf viele, viele kombinationen. was sich nicht nur auf universitäre verwaltung beschränkt. nein, es scheint generell so zu sein, dass beispielsweise der kauf einer monatskarte ebenfalls eine spannende sache ist. hier gibt es vier dinge zur auswahl: passfoto, kopie vom reisepass, meldezettel und studentenausweis... wobei hier die einzige konstante das passfoto war. die anderen dinge sind offenbar frei kombinierbar...
was das mit teamsport zu tun hat? nun, ja ist zwar ein wenig weit hergeholt, aber mir sei folgender vergleich erlaubt: das wäre so, wenn sich jeder fan eine personalisierte eintrittskarte (passfoto!) kaufen müsste. und sich diese nur unter vorlage von fünf bestätigungen (optional, versteht sich) bei drei verschiedenen kartenbüros kaufen müsste. und am ende feststellen würde, dass er/sie im falschen sektor sitzt.
wie bereits erwähnt, findet man unverhofft nette lokale. bei genauerer betrachtung fallen einem dann doch besonderheiten auf, die so in anderen restaurants nicht vorkommen. da ist zu einem die speisekarte in form eines alten doppel-platten covers, wo einem das stark geschminkte gesicht eines etwa 40 jährigen mannes entgegelächelt. zum anderen ist das noch das wc, mit gepolsterter kante in kopfhöhe (bin prompt dagegengrannt und war für die polsterung sehr dankbar) und.... dutzenden fotos von männern in frauenkleidern. ein käfig voller narren am stillen ort, sozusagen.
da ist man nun also in nizza. hat sich über lokale spezialitäten per reiseführer schlau gemacht. ist guter dinge und sucht die restaurants die lt. reiseführer 1. bezahlbar und 2. authentisch sein sollen. und... findet alle geschlossen vor. tja, guter rat ist teuer und als untrügliches zeichen der zivilisation leutet einem das goldgelbe M einer fast food kette entgegen. der hunger ist mittlerweile so groß, dass man durchaus bereit ist - ich sags ja eh keinem - sich einen burger zu genehmigen.
aber halt, das wäre eine niederlage. dann noch lieber diese eine gasse entlanggehen und wenn wirklich alle stricke reißen, dann...
aber man hat tatsächliche glück und findet ein restaurant, welches bezahlbar ist und wo das essen richtig gut schmeckt.
fazit (nach brecht): zuerst das fressen dann die moral. puh! da hatte ich nochmal glück.
da ist man nun für längere zeit im ausland. juhu, denkt man sich und freut sich auf allerlei neue eindrücke die einem quellen der inspiration sein sollen.
die praxis schaut dann meistens anders aus. aber es gibt immer ein paar nette dinge. da entpuppt sich z.b. die dame bei der rezeption im hotel als landesgenossin, was die kommunikation doch sehr erleichtert.
und dann gibt es noch eine unfreundliche katze mit dem namen m. just derselbe (spitz-)name, den die ex auch hat. ein schelm, wer sich böses dabei denkt.
schließlich gibt es noch die obgliaten bumsenden nachbarn. die sind immer dann lästig, wenn man es nicht selber ist, der zur - äh - lärmbelästigung beiträgt.
Lebt temporär in NIzza und macht dort eine Art Sabbatical. Schreibt ansonsten an seiner Dissertation und versucht zu Wissenschafter zu werden (ist ja noch nie einer vom Himmel gefallen).
Treibt in seiner Freizeit recht viel Sport (Taekwondo, Laufen, Surfen, Schwimmen) und liest auch noch gerne Bücher. Theater- und Kinobesuche sind ebenso eine willkommene Freizeitbeschäftigung.
Möchte auf die Frage: "Wann bist Du denn mit deiner Diss fertig?" mit "Gestern" antworten.