es finden sich durchaus kleinoder der sprachkunst an unerwarteten orten. pornos, zum beispiel, sind ein unterschätztes genre, was geschliffene dialoge angeht. da gibt es hundertschaften an drehbuchautoren, die sich tag und nacht überlegen, was denn die schauspieler zwischen den einzelnen sex-szenen so von sich geben sollen. weil, wie schon umberto eco bemerkte, pornos, wo ununterbrochen "zur sache gegangen wird", kein mann/frau aushält. es muss also zwischenzeitlich geredet werden. wie sowas dann in höchster perfektion aussieht, demonstrieren zwei aktueure in einer deutschen produktion:
man kann nicht alle mögen. und manchmal wird man ja selbst nicht gemocht. hier habe ich bereits meinen privaten "freund" gefunden. er ist busfahrer und ich sein passagier. und bisher hatte ich dreimal die gelegenheit mit besagten herrn unterwegs zu sein. jedesmal gab es seinerseits was zu bemängeln. da war das verspätete handsignal, dass dem busfahrer klar macht, dass man tatsächlich mitfahren will und nicht nur wegen dem schönen wetter an der bushaltestelle steht. dann die ticket auswahl (sie müssen schon genau sagen, welches sie wollen. es kosten schließlich alle verschiedenen tickets einen euro...) und schließlich das haltesignal, wenn man aussteigen will (was? sie wollen aussteigen? nein, das geht nicht. diese haltestelle wird nur von jedem zweiten bus benützt). ich hab also alles falsch gemacht, was man beim busfahren so machen kann.
ja, der alltag ist schon sehr spannend hier. jeden tag neue überraschungen.
manchmal hat sieht man menschen und sie kommen einem irgendwie bekannt vor. so passiert beim gestrigen vortragenden. statt dem vortrag zuzuhören dachte ich darüber nach, woher ich das gesicht denn kennen könnte. und plötzlich fiel es mir ein: john locke. genau! der vortragende sieht einem schauspieler zum verwechseln ähnlich:
ein gespräch nach dem vortrag ergab allerdings, dass der vortragende aus kanada stammt und auch nicht mit dem schauspieler verwandt ist.
Ich bin mittlerweile im Besitz meiner "ersten franzöischen Lesestücke". Es ist eigentlich für Kinder gedacht, aber als Sprachanfänger kann man ja nicht gleich mit Satre anfangen, sondern muss sich mit kleineren Häppchen zufriedengeben, die doch recht unterhaltsam sind:
L'addition
Le client. Garçon! L'addition!
Le garçon. Voilà. (Il sort son crayon et note.) Vous avez... deux oeufs durs, un veau, un petit pois, une asperge, un fromage avec beurre, une anabde verte, un café filtre, un téléphone.
Le client. Et puis des cigarettes!
Le garçon (Commence á compter). C'est ca même... des cigarettes... Alors ça fait...
Le client. N'insistez pas, mon ami, c'est inutile, vous réssirez jamais.
Le garçon. !!!
Le client. On ne vous a donce pas appris à l'école que c'est ma-thé-ma-ti-que-ment impossible d'additionner des choses d'espèce différente!
Le garçon. !!!
Le client (élevant la voix). Enfin, tout de même, de qui se moque-t-on?... Il faut réellement être insensé pour oser essayer de tenter d' "additionner" un veau avec des cigarettes, des cigarettes avec un café filtre, un café filter avec une amande verte et des oeufs durs avec des petits pois, des petits pois avec un téléphone...
Pourquoi pas un petit pois avec un grand officier de la Légion d'honneur, pendant que vous y êtes. (Il se léve.) Non, mon ami, croye-.moi, n'insistez pas, ne vous fatiguez pas, ça ne donnerait rien, vous entendez, rien, absolument rien... pas même le pourboire! (Et il sort en emportant le rond de serviette à titre gracieux.)
das studentenleben in nizza ist von zweierlei dingen geprägt: zum einen vom teuren alkohol und zum anderen von frühen sperrstunden. da freut man/frau sich doch, wenn es eine gelegenheit gibt, wo es anders geht. und das auch noch mit musik. das ganze trug sich auf der fac de sciences zu, wo es eine von studenten geführtes lokal gibt, wo man konzerte (reggae, elektronische dinge, etc.) und barbetrieb gelungen integriert hat. nette sache, nur mit einem kleinen haken: sperrstunde ist bereits um 22:00. mir scheint fast so, also ob es in nizza eine art geheime formel gibt, an die sich alle halten. man/frau nehme 100 punkte her und verteile sie entsprechend: punkte abzüge für teuren alkohol und kurze öffnungszeiten, entsprechende gutschriften für billgen alhohol und längere öffnungszeiten.
da waren also die smashing pumkins in der wiener stadthalle zu gast. eine spannende geschichte, möchte man/frau meinen. sind das doch die zutaten für einen schönen konzertabend. es kam doch ein wenig anders. die erste überraschung war, dass das konzert nicht ausverkauft war. ok, dachte ich mir, das neue album ist zwar nicht soooo toll, aber das sollte eigentlich kein hindernis sein. wann hat man schon die gelegenheit, den herrn corgan und co live zu hören. und ausserdem haben die guten pumkins ja eine menge material... was sie in der tat auch nützten, sage und schreibe 26 songs lang.
aber, und das war die zweite überraschung, der funke wollte nicht so richtig auf das publikum überspringen. selbst bei den "klassikern" nicht, wobei diese recht elegant in das "set "eingebaut wurden. alles in allem eine sehr professionelle geschichte, aber mit einem hochglanz magazin vergleichbar: auf den ersten blick wird man geblendet. allerdings wird einem beim durchblättern dann doch recht schnell langweilig.
und dann ist da noch die sache mit den erwartungen des publikums, denn die smashing pumkins sind ja nicht irgendwer. aber möglicherweise ist genau das problem: sie hätten wahrscheinlich wahre wunderdinge vollbringen müssen, um das publikum in stimmung zu bringen, was ja nicht sehr realistisch ist. tja, dann bleibt einem wohl nur noch die erinnerung an schöne dinge:
wenn man für eine zeit im ausland war, ist das zurückkommen immer wieder interessant. plötzlich sieht man dinge, in einem anderen, u.u. helleren licht. dinge, die einem vorher nicht aufgefallen wären. wie z.b. die art wie sich menschen in der heimatstadt bewegen. da gibt es den bodenständigen typ, der im läuferischen sinn ein zentralfuss-geher ist. salopp gesagt: eine/r der sich eher trampelnd fortbewegt. dann gibt es welche, deren hüfte offenbar recht ordentlich mit dem oberschenkel verwachsen ist. deren gang erinnert an schwankende hochhäuser. und schließlich noch den "berg-fex": ganz weich in den knien, schwankender kopf, mit hut und lodenmantel bewaffnet.
eigentlich müsste man in der alpenrepublik diese arten der fortbewegung katalogisieren und im detail studieren. in england wurde deswegen bereits in den 70igern das ministry of silly walks ins leben gerufen:
wenn man in einer résidence universitaire untergebracht ist, hat das den vorteil, dass man jenseits der eigenen beruflichen barrieren kontakte knüpfen kann. und man bekommt ganz lustige geschichten zu hören. beispielsweise die vom professor, der seine studenten eine runde im hörsaal drehen lässt, falls der/diejenige zu spät kommt. oder die vom dozenten, der beim uni rundgang auf studenten mit dem finger zeigt und "tu est mort!" ruft...
ich selbst hatte das vergnügen die vorträge eines legendären mathematik professor zu besuchen. dieser wurde offenbar dazu eingesetzt, alle unsicheren erstsemestrigen (mach ich wirklich das richtige?) zu vergraulen und damit eine erste vorselektion zu treffen. frei nach dem motto: hast du den x. überlebt, dann schaffst du das studium.
ich hab es doch tatsächlich geschafft... ich bin seit heute offiziell auf der universität inskribiert. wie so oft: hinterher ist alles ganz einfach und sogar logisch. aber man braucht halt seine zeit, sich mit dem ganzen system anzufreunden und es zu verstehen (bzw. eigentlich eher zu akzeptieren, sozusagen: Il n'y a pas de quoi fouetter un chat).
und was nun? tja, jetzt heisst es einmal feiern ;-)... allerdings eher mit angezogener handbremse, denn ansonsten stürzt man hier angesichts der preise in ein veritables budgetloch: 6 € für ein kleines (sic!) bier sind keine seltenheit, eher die regel... dafür (gleichberechtigung sei dank...) gibt es immer wieder spezielle aktionen für ladies: beispielsweise um 3 € soviel wein wie frau trinken kann. wobei ich den sinn dahinter nicht ganz verstehe: sollen damit damen angelockt werden? und wenn dem so ist, sollen sie die männlichen exemplare durch gesteigerten alkoholkonsum attraktiver finden? wein macht ja bekanntlich schön... und was sollen wir männer davon halten? sind wir schon soweit, dass sich die damen unsereins "schön-saufen" müssen?
die französische administration bietet ein wunderbares biotop für allerhand geschichten/erlebnisse. beispielsweise ich bin ja eigentlich illegal hier, da mein dossier irgendwo untergegangen ist. d.h. es schauen alle recht überrascht, wenn ich irgendwo auf der universität auftauche und mich inskribieren will. das geht jetzt bereits knapp zwei wochen so. das interessante daran ist, dass ich im besitz einer bestätigung der universität bin, dass ich angenommen wurde. diese bestätigung wird dann gleich von jedem meiner ansprechspartner sicherheitshalber kopiert und abgelegt (gott weiss wo...).
aber dafür lernt man sehr nette menschen kennen. sie erklären einem wortreich, was man denn noch tun könnte und an wen man sich noch wenden könnte. und wie es scheint, hab ich mich mittlerweile doch zur richtigen person durchgekämpft. er kannte mich zwar auch nicht, hat sich aber sofort als zuständiger zu erkennen gegeben und mich auf der uni herumgeführt und mir beim ausfüllen diverser dokumente hilfreich über die schulter gesehen. sein motto: don't panic... no problem!
tja, ich hatte sie. wen? was? die carte bleue, samt bank-konto. hurra! dachte ich mir, jetzt bin ich ein ganzer franzose. denn alle zahlen mit diesem kleinen stück plastik und man will ja auch nicht mit einer kreditkarte aus der alpenrepublik auffallen. nachdem ich also die karte abgeholt hatte, bin ich schnurstracks zum fnac um dvds zu schauen/kaufen. und ich hatte doch tatsächlich glück fand etwas passendes:
juhui! die karte funktionierte anstandslos. heute dafür die überraschung im postfach. monsieur, bla, bla, bla... bitte bringen sie die karte zu unserer filiale soundso zurück. bla, bla, bla...
offenbar hab ich was falsch gemacht. keine ahnung was, aber es muss wohl irgendwas sein (die bankensprache ist ja eher kryptisch). tja, dann bin ich wohl in bälde wieder ein halber franzose, ohne carte bleue...
Lebt temporär in NIzza und macht dort eine Art Sabbatical. Schreibt ansonsten an seiner Dissertation und versucht zu Wissenschafter zu werden (ist ja noch nie einer vom Himmel gefallen).
Treibt in seiner Freizeit recht viel Sport (Taekwondo, Laufen, Surfen, Schwimmen) und liest auch noch gerne Bücher. Theater- und Kinobesuche sind ebenso eine willkommene Freizeitbeschäftigung.
Möchte auf die Frage: "Wann bist Du denn mit deiner Diss fertig?" mit "Gestern" antworten.